1. März 2026
Zivilcourage ist einfach – oder? Gedanken über ein Paradox
Fast alle finden Zivilcourage wichtig – und glauben, sie würden im Ernstfall handeln. Die Realität sieht oft anders aus. Warum das so ist – und was wir dagegen tun können.
Wenn wir erzählen, dass wir Ausbildungen in Zivilcourage anbieten, finden das fast alle Leute spannend und wichtig. Gleichzeitig glauben die meisten aber auch, dass sie selbst das nicht brauchen. Sie sind sicher: Wenn eine Gelegenheit kommt, in der sie Zivilcourage zeigen, also mutig für das Wohl anderer handeln müssten, würden sie das automatisch tun.
Die Realität ist aber anders: Wenn eine Situation auftaucht, in der wirklich mutiges Handeln erforderlich ist, handeln die meisten Menschen nicht – obwohl sie vorher sicher gewesen wären, das zu tun.
Wie kommt es zu diesem Paradox?
In Situationen, die gefährlich sein könnten, reagieren wir reflexhaft. Das heißt: Die inneren Automatismen übernehmen. Dabei ist ganz egal, ob es sich um eine reale Gefahr handelt, wie wenn jemanden vor dem Ertrinken zu retten. Oder um eine gefühlte Gefahr, wie zum Beispiel in einer Gruppe als einziger das zu hinterfragen, was die Gruppe tut – und damit zu riskieren, den eigenen Platz in der Gruppe zu verlieren.
Der Körper schaltet dann in den Gefahrenmodus und greift instinktiv auf Totstellen oder die Flucht zurück. Auch Angriff könnte eine Option sein – dafür müssen wir aber wissen, wie dieser „Angriff" geht, damit die Gefahr gebannt werden kann.
„Wir steigen nicht auf das Niveau unserer Erwartungen, wir fallen auf das Niveau unseres Trainings." — erfahrene Zivilcourage-Trainer
Es bedeutet: Wer nicht trainiert, um im Ernstfall helfen zu können, wird es voraussichtlich auch nicht tun. Ganz egal ob er das will oder nicht.
Das ist auch der Grund, warum Menschen, die von Berufs wegen helfen, also bei der Feuerwehr oder im Notdienst, auch in berufsfremden Situationen häufiger mutig eingreifen. Das Eingreifen an sich ist zu ihrer zweiten Natur geworden, ihr Training hilft ihnen, überall besser unterstützen zu können. Sie haben den Reflex entwickelt zu helfen.
Und genau das ist der Trick auch für uns alle: Wenn wir lernen, wie wir genau das trainieren, jeden Tag im Alltag, ganz egal, was wir sonst tun, sind wir in der Lage, auch Zivilcourage zu zeigen, wenn sie nötig ist. Wir schaffen es dann, als Erster oder Erste das Richtige zu tun, andere dazuzuholen und Großes zu bewirken. Einen Menschen aus der Gefahr retten, ein Tier retten, eine Ungerechtigkeit zu beenden oder sogar ein Leben zu retten.
Wenn Sie wissen wollen, wie Sie ein Training buchen können, schreiben Sie uns!
Anke Precht
